Passwort vergessen
» Theater » Dreiakter 2013-2014

Dreiakter 2013-2014

Bayerische Rundschau - Montag, 16.12.2014                              von WERNER REISSAUS

Wenn es im Seniorenheim rund geht

Das Harsdorfer Laientheater begeistert mit seinem neuen Stück - witzig, spritzig und ein bisschen frivol

Witzig, spritzig und frivol - es war alles dabei bei der Premiere des Harsdorfer Laientheaters mit dem Stück “Die Seniorenklappe”. Und es klappte auch alles bestens, obwohl die Theaterleitung mit Heike Schoberth-Wesser und Ramona Hofmann an der Spitze kurzfristig ein heikles Poblem zu lösen hatte. Bettina Bauer in der Rolle der Krimiautorin fiel krankheitsbedingt aus. doch Souffleuse Michaela Müller schlüpfte in deren Rolle und löste das Problem großartig. Sie erhielt am Ende auch zu Recht einen Sonderapplaus. Lieber kriminell als alt? Den Mittelpunkt der authentischen Komödie bildet die Seniorenresidenz “Freundeshaus”. Und da geht es ganz schön rund unter den Bewohnern - angefangen von einem Bahnbeamten über eine Krimiautorin bis hin zu einer überdrehen französischen Schauspielerin. Mittendrin ein Bankräuber, der oft nicht weiß, ob er jetzt Insasse oder Seniorenresidenz oder doch nur kriminell ist. Nach einem Banküberfall auf die Harsdorfer Filiale der Kulmbacher Bank taucht der Bankräuber Otto Schmidt auf seiner Flucht aufgrund seiner starken Arthrose mit 500 000 Euro im Koffer in der Seniorenresidenz “Freundeshaus” unter. Und sehr schnell wird dem Kriminellen klar, dass das Altenheim noch schlimmer als seine Arthrose ist. Seine Pistole und seine Gaunerklamotten wechseln ständig den Besitzer. In all dem Chaos fehlt dem Bankräuber am Ende der Durchblick, wer jetzt wirklich spinnt oder vielleicht nur so tut. Zu allem Überfluss verschwindet auch ab und zu der Koffer mit den “Blüten”. Andreas Heußinger hat es als Bankräuber schwer, denn er wird mit seiner fetten Beute von Anfang an in der Seniorenresidenz regelrecht vereinnahmt. Der Heimleiter erkennt sehr schnell die Notwendigkeit, ihn mit den üblichen Formalitäten im Heim aufzunehmen - wieder einmal eine Paraderolle für Andreas Heußinger, der seinen Part routiniert und sehr süffisant ausfüllt. Zweifellos eine starke Leistung von Heußinger, der zusammen mit Heidi Dörfler für die Regie in der Komödie verantwortlich ist, Doch die läuft bei den Harsdorfer Laienspielern schon seit Jahren wie von selbst. Die Heimleitung ist mit Klaus Fischer als Chef, Dirk Wesser als Krankenpfleger und Heidi Dörfler Krankenpflegerin ideal besetzt. Bewundernswert, wie das Urgestein der Harsdorfer Bühne die Szenen zwischen dem Alltagsgeschäft und einer vermeintlichen Weltuntergangstimmung meistert. Krankenpfleger Dirk Wesser ist dank der Telefonate mit seiner Enkeltochter immer auf der Höhe der Zeit, die Krankenpflegerin spielt Heidi Dörfler gekonnt mit nervtötender Fürsorge. Apfelkuchen ohne Gespür Zum Heim gehört auch eine ehrenamtliche Helferin, gespielt von Heike Schoberth-Wesser. Sie kommt regelmäßig um alle mit Apfelkuchen zu versorgen und vergisst auch nie den Heimbewohnern immer Mut zuzusprechen. Allerdings mit einem schrecklichen Talent für die am wenigsten passenden Worte und dem Gespür für die schlechtesten Momente. Leben bringen immer wieder die Heimbewohner in die Komödie, So der frühere technische Betriebsinspektor der Eisenbahn, Hoppmann, den Stephan Hereth spielt. Er ist noch ständig im Dienst, ob auf der Bahnstrecke oder ob bei der Fahrkartenkontrolle. Hereth meistert seine Rolle mit stoischer Ruhe und lässt sich durch nichts von seinen Dienstpflichten als Bahnbeamter abbringen. Fehlen noch die weiblichen Heimbewohner - in Harsdorf eine verrückter als die andere. Angefangen von der Krimiautorin Hera Blank (Michaela Müller) über die Weltuntergangbeobachterin Margarete Schwellenbrink (Ramona Hofmann) bis zur überdrehten Schauspielerin Blanche Duval (Franziska Zapf). Die Krimiautorin verbündet sich sehr schnell mit dem Bankräuber und verliebt sich sogar in ihn. Besonders köstlich: die “heiße” Szene auf dem Bühnensofa. Rettung per Segeljolle Ramona Hofmann unterdessen hat den Weltuntergang genau berechnet und bereitet sich akribisch darauf vor - unter anderem mit Lebensmittelvorräten und einer Segeljolle am Trebgaster Badesee. Die französische Schauspielerin Blanche Duval, die der Heimleiter ab und zu versehentlich mit Frau Durchfall anspricht, war früher an den großen Bühnen der Welt zu Hause und rezitiert in dem Stück ständig - gefragt oder ungefragt - Texte. So etwa mit einem Auszug aus William Shakespeare: “Sei dir selber treu und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage, du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen”. Der Bankräuber indes vermutet eher die Schlagersängerin Andrea Berg als Urheberin dieses Textes. Überragend die schauspielerische Leistung von Franziska Zapf, noch dazu mit einem lupenreinen französischen Akzent. J, und wer fehlt noch? Natürlich Hauptkommissar Huber (Stefan Albrecht). Die Art und Weise seiner kriminalistischen Aufklärung legt den Schluss nahe, dass es vermutlich sein letzter großer Fall vor der Pensionierung war. In der Schlussszene kommen die Beteiligten aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn den Koffer mit den “Blüten” hat sich längst die Weltuntergangbeobachterin angeeignet, die inzwischen auf dem Flug ins Ausland ist. Rechnen will gelernt sein Denn: Die Mayas habe sich bei ihrem Weltuntergangkalender um 234 Jahre verrechnet. Ihr nobles Abschiedsgeschenk: Die Hamstervorräte, die sie unter dem Sofa gebunkert hat, können die Beteiligten unter sich aufteilen ... Bayerische Rundschau - Montag, 16.12.2014von WERNER REISSAUS Wenn es im Seniorenheim rund geht Das Harsdorfer Laientheater begeistert mit seinem neuen Stück - witzig, spritzig und ein bisschen frivol Witzig, spritzig und frivol - es war alles dabei bei der Premiere des Harsdorfer Laientheaters mit dem Stück “Die Seniorenklappe”. Und es klappte auch alles bestens, obwohl die Theaterleitung mit Heike Schoberth-Wesser und Ramona Hofmann an der Spitze kurzfristig ein heikles Poblem zu lösen hatte. Bettina Bauer in der Rolle der Krimiautorin fiel krankheitsbedingt aus. doch Souffleuse Michaela Müller schlüpfte in deren Rolle und löste das Problem großartig. Sie erhielt am Ende auch zu Recht einen Sonderapplaus. Lieber kriminell als alt? Den Mittelpunkt der authentischen Komödie bildet die Seniorenresidenz “Freundeshaus”. Und da geht es ganz schön rund unter den Bewohnern - angefangen von einem Bahnbeamten über eine Krimiautorin bis hin zu einer überdrehen französischen Schauspielerin. Mittendrin ein Bankräuber, der oft nicht weiß, ob er jetzt Insasse oder Seniorenresidenz oder doch nur kriminell ist. Nach einem Banküberfall auf die Harsdorfer Filiale der Kulmbacher Bank taucht der Bankräuber Otto Schmidt auf seiner Flucht aufgrund seiner starken Arthrose mit 500 000 Euro im Koffer in der Seniorenresidenz “Freundeshaus” unter. Und sehr schnell wird dem Kriminellen klar, dass das Altenheim noch schlimmer als seine Arthrose ist. Seine Pistole und seine Gaunerklamotten wechseln ständig den Besitzer. In all dem Chaos fehlt dem Bankräuber am Ende der Durchblick, wer jetzt wirklich spinnt oder vielleicht nur so tut. Zu allem Überfluss verschwindet auch ab und zu der Koffer mit den “Blüten”. Andreas Heußinger hat es als Bankräuber schwer, denn er wird mit seiner fetten Beute von Anfang an in der Seniorenresidenz regelrecht vereinnahmt. Der Heimleiter erkennt sehr schnell die Notwendigkeit, ihn mit den üblichen Formalitäten im Heim aufzunehmen - wieder einmal eine Paraderolle für Andreas Heußinger, der seinen Part routiniert und sehr süffisant ausfüllt. Zweifellos eine starke Leistung von Heußinger, der zusammen mit Heidi Dörfler für die Regie in der Komödie verantwortlich ist, Doch die läuft bei den Harsdorfer Laienspielern schon seit Jahren wie von selbst. Die Heimleitung ist mit Klaus Fischer als Chef, Dirk Wesser als Krankenpfleger und Heidi Dörfler Krankenpflegerin ideal besetzt. Bewundernswert, wie das Urgestein der Harsdorfer Bühne die Szenen zwischen dem Alltagsgeschäft und einer vermeintlichen Weltuntergangstimmung meistert. Krankenpfleger Dirk Wesser ist dank der Telefonate mit seiner Enkeltochter immer auf der Höhe der Zeit, die Krankenpflegerin spielt Heidi Dörfler gekonnt mit nervtötender Fürsorge. Apfelkuchen ohne Gespür Zum Heim gehört auch eine ehrenamtliche Helferin, gespielt von Heike Schoberth-Wesser. Sie kommt regelmäßig um alle mit Apfelkuchen zu versorgen und vergisst auch nie den Heimbewohnern immer Mut zuzusprechen. Allerdings mit einem schrecklichen Talent für die am wenigsten passenden Worte und dem Gespür für die schlechtesten Momente. Leben bringen immer wieder die Heimbewohner in die Komödie, So der frühere technische Betriebsinspektor der Eisenbahn, Hoppmann, den Stephan Hereth spielt. Er ist noch ständig im Dienst, ob auf der Bahnstrecke oder ob bei der Fahrkartenkontrolle. Hereth meistert seine Rolle mit stoischer Ruhe und lässt sich durch nichts von seinen Dienstpflichten als Bahnbeamter abbringen. Fehlen noch die weiblichen Heimbewohner - in Harsdorf eine verrückter als die andere. Angefangen von der Krimiautorin Hera Blank (Michaela Müller) über die Weltuntergangbeobachterin Margarete Schwellenbrink (Ramona Hofmann) bis zur überdrehten Schauspielerin Blanche Duval (Franziska Zapf). Die Krimiautorin verbündet sich sehr schnell mit dem Bankräuber und verliebt sich sogar in ihn. Besonders köstlich: die “heiße” Szene auf dem Bühnensofa. Rettung per Segeljolle Ramona Hofmann unterdessen hat den Weltuntergang genau berechnet und bereitet sich akribisch darauf vor - unter anderem mit Lebensmittelvorräten und einer Segeljolle am Trebgaster Badesee. Die französische Schauspielerin Blanche Duval, die der Heimleiter ab und zu versehentlich mit Frau Durchfall anspricht, war früher an den großen Bühnen der Welt zu Hause und rezitiert in dem Stück ständig - gefragt oder ungefragt - Texte. So etwa mit einem Auszug aus William Shakespeare: “Sei dir selber treu und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage, du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen”. Der Bankräuber indes vermutet eher die Schlagersängerin Andrea Berg als Urheberin dieses Textes. Überragend die schauspielerische Leistung von Franziska Zapf, noch dazu mit einem lupenreinen französischen Akzent. J, und wer fehlt noch? Natürlich Hauptkommissar Huber (Stefan Albrecht). Die Art und Weise seiner kriminalistischen Aufklärung legt den Schluss nahe, dass es vermutlich sein letzter großer Fall vor der Pensionierung war. In der Schlussszene kommen die Beteiligten aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn den Koffer mit den “Blüten” hat sich längst die Weltuntergangbeobachterin angeeignet, die inzwischen auf dem Flug ins Ausland ist. Rechnen will gelernt sein Denn: Die Mayas habe sich bei ihrem Weltuntergangkalender um 234 Jahre verrechnet. Ihr nobles Abschiedsgeschenk: Die Hamstervorräte, die sie unter dem Sofa gebunkert hat, können die Beteiligten unter sich aufteilen ...





Kommentare