ATS Wartenfels - TSV Harsdorf 2:1 (1:1)
Dusek-Treffer sorgte für Kerwastimmung
Flugeinlage des Harsdorfer Antreibers Marco Götschel (in rot) – allerdings nicht ganz freiwillig.
Hans Wunder
Riesiger Jubel brandete in Wartenfels auf, als Martin Dusek in den Schlussminuten ein weitgehend ausgeglichenes Spitzentreffen für die Heimelf entschied. Dabei konnte er sich beim hart errungenen 2:1 Sieg gegen Verfolger Harsdorf ebenso wie seine Kollegen auf die eigene Kampfkraft und den überragenden Radek Kanok verlassen.
Aus Wartenfels Hans Wunder
Wenn der Erste gegen den Zweiten antritt, steht meist so viel auf dem Spiel, dass beide Teams verkrampfen und der Kombinationsfußball auf der Strecke bleibt. Darüber hinaus dürfte bei schwül-warmer Witterung eine Rolle gespielt haben, dass in Wartenfels Kerwa gefeiert wurde und dabei die Erwartungshaltung mitunter ins Unermessliche steigt. Allerdings hätte der Truppe von Harald Bauer ein Remis gereicht, um die Tabellenführung erfolgreich zu behaupten. Während der Spitzenreiter seine Abwehr traditionell mit Libero organisierte, setzte Gästecoach Bastian Knop auf die Viererkette.
Obwohl die Begegnung keinesfalls unfair war, gab es zunächst unter den zahlreichen Zuschauern große Aufregung, denn mehrere Harsdorfer Akteure lagen nach hart geführten Zweikämpfen am Boden und hielten sich das Gesicht. Besonders schlimm erwischte es dabei TSV-Verteidiger Dirk Wesser, der mehrere Minuten wegen Nasenbluten behandelt werden musste. Der Vorwurf der Gästeanhänger lautete, dass die Einheimischen bei ihrem Körpereinsatz immer wieder den Ellebogen mit in Position brachten und somit die Gesundheit ihrer Akteure gefährdete. Die Folge der lautstarken Proteste waren zahlreiche Freistöße für den Verfolger, von denen Matthias Nägel einen davon zur überraschenden Gästeführung nutzte, als er von Patrick Götschel aus 30 Metern halbhoch angespielt wurde und vom Elfmeterpunkt aus per Direktabnahme verwandelte. Die Platzherren waren bis dahin nur sporadisch vor das gegnerische Tor gekommen. Dabei deutete ihr Ghoalghetter Radek Kanok jedoch bereits frühzeitig an, dass er durchaus in der Lage ist, auch mehrere Gästeverteidiger zu beschäftigen. Richtig gefährlich wurde es dabei nach einer halben Stunde, als er im Anschluss an eine Balleroberung von Michal Valta drei Sportkameraden stehen ließ und dann doch noch im letzten Moment abgeblockt werden konnte. Eher unspektakulär fiel dann der Ausgleichtreffer kurz vor der Pause durch den Tschechen. Nach einem Eckball fiel die Kugel 13 Meter vor die Füße der einzigen Wartenfelser Sturmspitze, der sich als starker Techniker nicht zu schade war, die Spitze zu bemühen und das Leder mit dem verpönten Körperteil zum 1:1 Ausgleich ins Dreieck zu befördern.
Als die Partie in die entscheidende Phase ging, legte auch der Harsdorfer Patrick Kramer (am Boden) jegliche Schüchternheit ab.
Hans Wunder
Vielleicht mussten beide Teams der Hitze Tribut zollen, vielleicht waren sie insgeheim auch mit einem Punkt zufrieden. Jedenfalls hatte man nach der Pause nicht den Eindruck, dass die beiden Spitzenmannschaften um jeden Preis den Erfolg suchen würden. Während die Gastgeber nach wie vor mit weiten Pässen auf ihre einzige Sturmspitze Kanok agierten, schafften es die Knop-Schützlinge zwar, mehr Ballbesitz zu verbuchen, blieben aber beim Abschluss von Nägel, Götschel oder des eingewechselten Bilogrevic doch recht harmlos. Mit Martin Dusek kreuzte im zweiten Abschnitt jedoch ein Akteur mehrmals vor dem von Fabian Dörfler gehüteten Harsdorfer Kasten auf, von dem in der ersten Hälfte wenig zu sehen war. Außerdem bekam Radek Kanok mit zunehmender Spieldauer immer mehr Räume gegen die teilweise aufgerückte Viererkette. Nach mehreren Anläufen, bei denen der Ausnahmespieler noch knapp scheiterte, war es acht Minuten vor dem Abpfiff dann soweit. Zunächst vernaschte Kanok wieder einmal seinen Gegenspieler, zog vom rechten Flügel in die Mitte und hätte aus sieben Metern dann selbst abziehen können. Doch der mit viel Übersicht ausgestattete Stürmer sah den mitgelaufenen Martin Dusek, der aus Mittelposition nur noch den Fuß hinhalten musste, um einen Jubelsturm auszulösen, der sich wie ein Gewitter nach einem heißem Sommertag entlud.
Obwohl die Wartenfelser bei dem Kampf auf Biegen und Brechen als Sieger hervorgegangen ist, können auch die Harsdorfer auf eine starke Leistung zurückblicken. Letztlich wäre eine Punkteteilung sicherlich gerechter gewesen. Vielleicht hätten die Knop – Schützlinge aber auch energischer auf den zweiten Treffer spielen müssen, um zumindest einen Punkt zu retten. Aber am Ende ist man allerdings bekanntlich ja immer schlauer
Liga: Kreisklasse 5 Bayreuth-Kulmbach
Alter: Erwachsene
Geschlecht: männlich
Spieltag: Saison 2011/12 - 7. Spieltag
Datum: 11.09.2011
Anstoß: 15:00 Uhr
Sportstätte: Bergstadion Wartenfels, Hauptplatz
Zuschauer: 280
ATS Wartenfels:
Hohner,
Käppel,
Schuster ,
Appel,
Kubik ,
Valta ,
Gergely,
Bergmann,
Göcking,
Kanok,
Dusek ,
Ziegler (2. HZ),
Feick (2. HZ)
TSV Harsdorf:
Dörfler Fa.,
Gutzeit,
Wille ,
Wesser,
Dötsch,
Götschel P.,
Götschel ,
Scharnagel I.,
Nägel M.,
Kramer ,
Dörfler Mar.,
Bilogrevic (2. HZ)
Radek Kanok (ATS Wartenfels)
Wer einen Stürmer von diesem Format hat, ist bestens beraten, diesen Akteur immer wieder zu suchen. Seine Mannschaft hat es getan und er hat es neben zahlreichen starken Aktionen mit einem Treffer und einer Vorlage zurückgezahlt.
Bastian Knop
(Trainer TSV Harsdorf)
"Wir waren im ersten Abschnitt eigentlich besser und hatten den Gegner auch nach der Pause gut in Griff. Auch wenn die Niederlage letztlich durch Einzelaktionen zustande kam, müssen wir sie so akzeptieren."
Harald Bauer
(Trainer ATS Wartenfels)
"Die Harsdorfer haben eine gute Mannschaft mit hervorragenden Individualisten wie die Götschel-Brüder. Ich denke, dass ein Unentschieden eher dem Spielverlauf entsprochen hätte. "
Patrick Götschel
(Spieler TSV Harsdorf)
"Ich verstehe nicht, dass ich bei dem Foul im Strafraum die Gelbe Karte wegen Schwalbe bekommen habe. Sicher habe ich etwas spekuliert, aber letztlich hat er mich getroffen."
Ingo Scharnagel
(Kapitän TSV Harsdorf)
"Es ist eine unglückliche Niederlage, weil wir eigentlich immer besser ins Spiel gefunden haben und letztlich ausgekontert wurden. "
Andreas Kreyssig (FSV Bayreuth)
Dass sich der Unparteiische am Anfang den Zorn aus beiden Lagern zugezogen hat, war auch ein Zeichen dafür, wie umkämpft diese Partie war. Letztlich war er aus unabhängiger Sicht nach kleinen Wacklern ein guter Leiter eines schwierig zu pfeifenden Gipfeltreffens.
12. September 2011
Jörg Hinsche